Stromrebellen

Gezeitenrebellen

Schoenau) wurde in der Presse unter dem Namen Stromrebel bekannt. Inzwischen weniger auf der politischen Bühne in Berlin, sondern mehr als Stromrebell in Paderborn. Historie der Stromrebellen| EWS Schönau "Das sowjetische Atomkraftwerk Tschernobyl scheint der gefürchtete GAU, der größte anzunehmende Unglücksfall, eingetreten zu sein. Am Ende hat uns Tschernobyl wie eine Atombombe getroffen. Nach Tschernobyl herrscht im frühen Sommer Ohnmacht im Alltag der betroffenen Eltern: Menschen beraten sich mit anderen und engagieren sich - auch in Schönau im Schwarzwald.

Demnächst werden sich im ehemaligen Försterhaus von Wolf Dieter Drescher und seiner Ehefrau Sabine einige Schönaufamilien einfinden. Wenn es um die elektrische Aufladung geht, gibt es energiesparende Haushaltsgeräte mit Nachlass. Eine Busfahrt bringt sie aus dem Krisengebiet nach Schönau zur Freizeit. In Schönau wollen die Bewohner nicht auf die Politik und die Energielieferanten hoffen.

Es werden Energiesparberatungen durchgeführt und Informationsstände zur Verfügung gestellt. Es werden Energiespartips veröffentlicht und Energiesparwettbewerbe ausgeschrieben. In einem weiteren Arbeitsschritt gründeten die Bürgerinnen und Bewohner Schönaus ein kleines Unternehmen zur ökologischen Stromerzeugung. Damit werden Kleinwasserkraftwerke reaktiviert und Menschen unterstützt, die in Kraft-Wärme-Kopplung und Photovoltaik anlagen mitarbeiten. Die AktivistInnen verlangen vom lokalen Energielieferanten und Kernkraftwerksbetreiber KWR Energiespartarife und die Unterstützung erneuerbarer Energie.

Dieser neue Staatsvertrag ignoriert auch die Umweltanforderungen der Mitbürger. Inzwischen ist den Stromrebellen bewusst geworden, dass eine umweltfreundliche Energieversorgung nur möglich ist, wenn sie ihre Energieversorgung selbst in die Hände bekommen, d.h. das lokale Stromversorgungsnetz einnehmen. Der Stadtrat beschließt mit einer knappen Stimmenmehrheit, das außergewöhnliche Übernahmeangebot der Volksinitiative zurückzuweisen und den Betreibervertrag mit dem früheren Energielieferanten KWR unverzüglich zu erweitern.

Unterzeichnung des Gründungsvertrags - ein "großer Moment" für Stromrebell Wolf-Dieter Drescher. Jänner 1994 wird die Firma Elektroizitätswerke Schönau GbR (EWS) ins Leben gerufen, obwohl noch lange nicht alle Hindernisse durchbrochen sind. Alleinige Gesellschafterin ist die Netzwerkkauf Schönau GbR, an der über 650 Bürgerinnen und Bürgern mitwirken. Für das Untenehmen fehlen noch die Konzessionen für den Netzbetrieb.

Inzwischen ist Schönau aber zu einem Sinnbild der Anti-Atombewegung geworden, die weit über die Grenzen der Gegend hinaus strahlt. Bei den ersten Schönau-Seminaren zum Thema Elektrizität begegnen sich Technikern, Künstlern, Denkern und Wissenschaftlern und stehen den Rebellen mit Rat und Tat zur Seite. Mit einer Rekordbeteiligung von knapp 85 prozentigen Anteilen wurde EWS 1996 mit knappem Mehr zum neuen Elektrizitätsversorger Schönau gekürt.

Mit dem Bekanntwerden der Resultate in den Wahlbüros in Schönau kannte die Begeisterung der AktivistInnen keine Grenze. Obwohl man heute der weltweit am demokratischsten legitimierte Energielieferant ist, muss man das Netz Schönau noch vom ehemaligen Stromnetzbetreiber KWR beziehen. Die EWS aus den Beteiligungsgesellschaften und dem "Schönauer Energiefonds" wird von vier weiteren Partnern zur Verfügung gestellt.

Es kommt die Überlegung auf, die großen Agenturen in Deutschland zu beauftragen, eine kostenlose Spendenaktion für die Energie-Initiativen von Schoenauer zu entwerfen. Bei den Energie-Initiativen entscheidet man sich für die "Major Accident Campaign". Den Rebellen passieren unglaubliche Dinge: Umweltschutzvereine fordern Geldspenden, Tageszeitungen fördern Werbung, bei privaten Festen wird auf Zuwendungen zugunsten von Geldspenden verzichtet. 2. Die EWS in Schönau ist seit 1997 Energieversorger und bietet ihren Bewohnern Energiespartarife und eine gute Vergütung für die umweltfreundliche Energieerzeugung.

Auf der protestantischen Pfarrkirche entsteht die grösste Solarfabrik der Stadt - ein bedeutender Meilenstein für Schönau auf dem Weg zur "Solarhauptstadt". Im Jahr 2007 wird die aussergewöhnliche Historie der Schönau Stomrebels verfilmt. In der einstündigen Dokumentation wird die aussergewöhnliche Entstehungsgeschichte der Schönau-Rebellen in Tschernobyl bis zum 10-jährigen Jubiläum der Übernahme des Stromnetzes erzählt.

Der Elektrizitätsmarkt wird 1998 liberalisiert: Jeder Stromverbraucher kann nun selbst bestimmen, woher er seinen eigenen Strombedarf hat. Das EWS bietet ab jetzt landesweit grünen Elektrizität an - und viele Kameraden aus der Zeit der Bürgerbewegungen gehen zu den "Stromrebellen" über. Im Jahr 2009 hat sich EWS in Schönau für die Erdgaskonzession beworben. Ähnlich wie beim Elektrizität wird ein Teil des Erdgaspreises als Solar-Cent zur Unterstützung der umweltfreundlichen Energiegewinnung verwendet.

Die EWS eG ist seit Anfang 2009 Eigentümerin der Elektroizitätswerke Schönau als eG. Das EWS sieht es als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, die Beteiligung der Menschen an der Energieerzeugung und -verteilung zu fördern, nicht nur in Schönau - sondern weltweit! Die EWS ehrt die EWS und die Stiftung "Klimaschutz+" für eine ökologisch und gesellschaftlich verantwortliche Stromversorgung.

Ursula und Michael Sladek handelten nach diesem Leitspruch in der Schwarzwaldstadt Schönau. Der Arzt und seine Ehefrau gründeten nach Tschernobyl eine Bürgerkooperative. Menschen aus ganz Deutschland kommen zu ihren Schönau-Seminaren. Ursula Sladek, damalige Leiterin der EWS, wird für ihren Einsatz gegen die Kernenergie und ihren wichtigen Einsatz für die Demokratie in der Elektrizitätsversorgung mit einem der bedeutendsten Umweltauszeichnungen ausgelobt.

Die Mitgründerin von EWS, Ursula Sladek, wird 2008 von der Firma als Sozialunternehmerin gewählt und in das Unterstützungsnetzwerk übernommen. Ursula und Michael Sladek erhalten in Los Alamos, USA, den Förderpreis für die Schönau Energy Initiative in der Rubrik "Lösungen". Mit dem renommierten und von Angela Merkel gestifteten Förderpreis wird die Netzkauf-Initiative Schönau als Preisträgerin in der Sparte Umwelttechnik ausgezeichnet.

Michael Sladek, der Mitgründer der Initiative Netzkauf, wird vom WWF und der Fachzeitschrift "Capital" zum Öko-Manager des Jahres gewählt. Das Werk der "Schönauer Stromrebelllen" wurde mit vielen Auszeichnungen bedacht, u.a. mit dem European Solar Prize, dem Nuclear-Free Future Award und dem German Founder Prize. Nach beinahe 30 Jahren Einsatz wird sich das Gründerpaar Ursula und Michael Sladek Ende 2014 aus dem Unternehmen zurückziehen.

Über zwei Dekaden lang waren der Lehrer und der Vollbartarzt die berühmtesten Vertreter der Schönau-Rebellen. Jetzt nehmen die beiden Soehne Alexander und Sebastian Sladek ihren Platz im Vorstand ein. Das EWS ist die Historie seiner Gründer und Angestellten, der Bewohner Schönaus. Tschernobyl!

Die EWS hat nach Tschernobyl die krustigen Verkrustungen der ehemaligen Energielandschaft durchbrochen. Wenn die Rebellen in Schönau ihr Elektrizitätsnetz in die Hände der Bürgerinnen und Bürger legen wollten, habe ich diese zukunftsorientierte Aktion gemeinsam mitgestaltet. Mir hat die Netzkaufinitiative von Beginn an gut gefallen und ich war daher sehr am Erfolg der Netz-Übernahme beteiligt und habe viele Jahre lang an der Organisation der Elektrizitätsseminare mitgewirkt.

Die Energie-Initiativen von Schönau haben nach Tschernobyl die Verkrustungen der ehemaligen Energieindustrie überwunden und sind heute ein bekannter Pionier und Implementierer einer dezentralisierten, bürgerorientierten Energie-Zukunft. Uns ist hier klar geworden, dass die Bürgerinnen und Bürger für eine Umweltfrage, für ihr Elektrizitätsnetz einstehen. Anfang der 90er Jahre hielt ich in Schönau einen Fachvortrag, der wahrscheinlich die zweite Säule der späten EWS, den Schutz des Klimas, stärkte.

Heutzutage sind die Elektrotechniker Schönau eine der bedeutendsten gesellschaftlichen Gruppierungen für die Energierevolution in Deutschland und darüber hinaus. Nach Tschernobyl hätten wir es nicht wagen können, von dieser Weiterentwicklung unserer Volksinitiative zum verantwortungsvollen und nachhaltigen Energieanbieter zu kommen!

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