Strommarkt Europa

Elektrizitätsmarkt Europa

Diese Studie untersucht die Stromgroßhandelspreise und deren Einflussfaktoren in sieben Ländern. Auf dem europäischen Strommarkt gibt es zwei große Herausforderungen: Schritt für Schritt in den Strommarkt. Die Strommarktgestaltung der nächsten Jahre in Europa Die Spot- und Terminbörsen haben sich im mitteleuropäischen Strommarkt durchgesetzt, von denen rund ein Drittel an der Börse und zwei Drittel im Freiverkehr gehandelt werden. Der Preis basiert auf dem Prinzip von Leistung und Nachfragen. Die zur Deckung des Bedarfs erforderlichen veränderlichen Kraftwerkskosten des letzten Kraftwerkes legen den Marktabrechnungspreis für alle Marktbeteiligten fest.

Nur solche Anlagen, die niedrigere variablen Betriebskosten als das preisbildende Spitzenkraftwerk haben, können in einem Markt mit ausreichender Kraftwerkskapazität nach diesem Grundsatz Gewinnbeiträge zu den fixen Betriebskosten einbringen. Der Leistungsauftragsmarkt schafft daher nur dann Investitionsanreize, wenn in einer genügenden Anzahl von Arbeitsstunden alte, unwirtschaftliche und kostspielige Anlagen zur Deckung der Nachfrage gebraucht werden und der technologische Vorsprung so groß ist, dass Anlagenbetreiber mit höherem Wirkungsgrad volle kostendeckende Erträge erzielen können (siehe Abbildung 1).

Obgleich in den vergangenen Jahren ein schnellerer Konzentrationsprozess stattgefunden hat, gibt es immer noch keinen Binnenmarkt für Elektrizität. Die EEX in Leipzig setzte sich im Wettstreit der Stromhandelsbörsen durch und wurde zusammen mit dem OTC-Markt in Deutschland zum liquiden Strommarkt in Zentraleuropa. Obwohl die Marktkoppelung, Transparenz-Initiativen und Plattformen die Annäherung der Grosshandelspreise in den benachbarten einzelstaatlichen Elektrizitätshandelsmärkten verstärkt haben, sind Deutschland und Österreich nach wie vor die wenigen Staaten, die über einen Strommarkt mit Einheitspreisen verfügen.

Der hohe Strompreis vor Beginn der Finanzmarktkrise löste eine rege Investitionsaktivität aus, die zu erheblichen Kapazitätsüberhängen führte - verschärft durch den wirtschaftlichen Abschwung. Durch den geförderten Aufbau erneuerbarer Energieträger und deren prioritäre Nutzung steigen auch die Erzeugungsvolumina mit sehr niedrigen volumenabhängigen Einstandskosten. Zur Kompensation von Einspeisungsschwankungen bei regenerativen Energieträgern werden neue Kapazitäten für Kraftwerke auf lange Sicht (ab ca. 2020) gebraucht.

In Anbetracht des großen Teils der subventionierten regenerativen Energien erhebt sich die Fragestellung, ob das Merit-Order-Modell in der Lage sein wird, in absehbarer Zeit ausreichend Investitions- und Preisimpulse für diese erwartete Nachfrage zu geben (siehe Abbildung 2). Besonders schwierig sind gasbefeuerte Kraftwerke. Der Strompreis ist im Verhältnis zu den Erdgaspreisen zu gering und die sauberen Sparkspannen ( "Erzeugungsmargen" für Gaskraftwerke) sind auf einem sehr niedrigen Stand.

Der europäische Gasmarkt hat sich in den vergangenen Jahren aufgrund der zunehmenden Wichtigkeit von verflüssigtem Erdgas (LNG) von den Ölpreisen entkoppelt und liegt erheblich unter den ölindizierten Vertragspreisen. Aber auch bei den derzeitigen Preisen am Gasmarkt sind selbst hoch effiziente Gas-Kraftwerke zurzeit ineffizient. Paradoxerweise gibt es also keine Investitionsförderung, insbesondere für gasbefeuerte Kraftwerke, die als besonders geeignet für die Kompensation der volatilen Stromerzeugung aus Wind und Fotovoltaik angesehen werden, und die bestehenden Kraftwerke sind in einer existenzgefährdenden Wirtschaftslage (siehe Abbildung 3).

Die EU hat 2005 das europaweite System für den Handel mit CO2-Zertifikaten (ETS) eingeführt und hofft, mit gutem Beispiel voranzugehen. Steinkohlekraftwerke sind damit trotz ETS konkurrenzfähiger als emissionsarme Gasturbinen. Hierfür ist neben dem Übervolumen an Emissionszertifikaten auch der unproduktive Wettbewerb des CO2-Marktes um Effizienzsteigerungsmaßnahmen und um die direkte Vermarktung erneuerbarer Energien mitverantwortlich.

Angesichts dieser Entwicklung wird das tragfähige Funktionieren der vorhandenen Strommarktgestaltung heftig und heftig erörtert. Für Frankreich und das Vereinigte Königreich ist die Aufnahme von Zahlungen für Kapazitäten und für Italien eine Reorganisation des vorhandenen Systems vorgesehen. Auf EU-Ebene und in Deutschland, dem grössten Strommarkt Europas, werden auch Kapazitätenmärkte erörtert, um das fehlende Kostendeckungspotenzial zu beheben.

Zur Verwirklichung der energetischen Zielsetzungen Energieversorgungssicherheit, wirtschaftliche Effizienz und Umweltfreundlichkeit sowie zur Förderung einer wirtschaftlich effizienten Preisgestaltung im Strommarkt wird die Durchführung des folgenden "Sechs-Punkte-Programms zur Festigung des Strommarktes" vorgeschlagen: Der CO2-Markt sollte das Kontrollsystem für den Energieübergang sein und den Ausbau erneuerbarer oder kohlenstoffarmer Erzeugungstechniken unterstützen.

Die Palette der Zertifikate muss daher dringlich verringert werden, damit der Zertifikatsmarkt wieder ausreichend kräftige Impulse für Investments in schadstoffarme Techniken geben kann. Deshalb sollte auch ein System eingeführt werden, mit dem das Auktionsvolumen kontinuierlich an den Grad der Emissionsminderung angepaßt wird, abhängig vom weiteren Aufbau der regenerativen Energieträger, der Steigerung der Effizienz und der Entwicklung der Stromnachfrage.

Es könnte eine eigenständige CO2-Kommission eingesetzt werden, die diesen Prozess entwickeln, umsetzen und überwachen soll, um das gegenseitige Verständnis für das Funktionieren des Zertifikatemarkts langfristig zu festigen. Zur Vermeidung ineffizienter Investitionsanreize und um sicherzustellen, dass die mit dem Übergang verbundenen Energiekosten die Bereitschaft der Stromverbraucher zur Abnahme nicht übersteigen, ist es ratsam, erneuerbare Energieerzeugungsanlagen mit den selben Rechten und Verpflichtungen wie alle anderen Anlagen schnellstmöglich in den Wettbewerb zu integrieren.

Zur Förderung der Integration in den Strommarkt sollten die bisherigen Einspeisevergütungen durch Investitionszulagen und anschließend durch einen Absatzmarkt für handelsübliche Ökostrom-Zertifikate abgelöst werden. Erst eine rasche und lückenlose Integration der Märkte wird den technologischen Vorsprung im Feld der regenerativen Energien fördern und eine effektive Umsetzung der Expansionsziele gewährleisten. Gegenwärtig gibt es auf den Großhandelsmärkten in Europa keine richtigen Preise.

Braunkohlenkraftwerke mit den größten CO2-Emissionen sind heute trotz aller Anstrengungen zur Erreichung der beschlossenen Ziele die wirtschaftlichsten Kraftwerke. Allerdings können die flexiblen und weitaus umweltfreundlicheren Erdgaskraftwerke, die zum Kompensieren von Schwankungen bei der Erzeugung regenerativer Energiequellen zwingend erforderlich sind, nicht mit vollen Kosten gefahren werden. Diese Preisverzerrungen auf dem Strommarkt bedrohen nicht nur die zukünftige Sicherheit der Versorgung, sondern treiben auch die Marktreife bereits etablierter Technologien zur Erzeugung von Strom aus regenerativen Energien weit in die Zukunft.

Zur Schaffung der Bedingungen auf dem Strommarkt für die schnelle Marktreife der erneuerbaren Energien sollten daher Anstrengungen unternommen werden, um die Kräfte des Marktes zu stärken und die Regulierungen nicht weiter zu verstärken (z.B. in Gestalt von Kapazitätsmärkten). Zu diesem Zweck müssen alle geltenden Preisobergrenzen abgeschafft und eine völlige Öffnung der Grosshandelsmärkte für Primärenergie und Elektrizität sowie der Endverbraucher-Märkte in allen Mitgliedstaaten erreicht werden.

Auch bei der Stromerzeugung sollten die verschiedenen nationalen Steuerbelastungen für Kraftwerke harmonisiert werden. Hervorzuheben ist in diesem Kontext vor allem die Einbindung des Nachfragemanagements in die Preisgestaltung, z.B. in Gestalt von Lastabwurfmöglichkeiten für die Wirtschaft. Aufgrund des steigenden Anteils erneuerbarer Energien an der Erzeugung wachsen auch die Ansprüche an die Ausgleichsenergiemärkte.

Damit die steigenden Planabweichungen sicher und kostengünstig ausgeglichen werden können, ist es nötig, die Ausgleichsenergiemärkte über die aktuell gültigen (nationalen) Regelungszonen hinaus zu öffnen. Neben den genannten Marktmaßnahmen ist der Aufbau der Transportnetze unabdingbar, um Netzengpässe oder Lieferunterbrechungen zu vermeiden. Die europaweite einheitliche Durchführung dieses Sechs-Punkte-Programms würde dazu beitragen, dass die Energiepolitik ihre Zielsetzungen (Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Effizienz und Nachhaltigkeit) am wirtschaftlichsten erreicht und nicht der vorherrschende Trend zu nicht koordinierten und auf nationaler Ebene unterschiedlichen Marktinterventionen in Gestalt von Kapazitätenmärkten.

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