Liberalisierung des Strommarktes

Strommarktöffnung

In Berlin haben sich Ex-Politiker und Unternehmer gegenseitig Fehler bei der Liberalisierung der Strommärkte vorgeworfen. Der liberalisierte Markt wird von einer unabhängigen Behörde überwacht. Liberalisierung des deutschen Strommarktes - ein Erfolgsmodell? In den letzten zehn Jahren wurden die Energiemärkte weltweit liberalisiert.

Strommarktöffnung: Freistellung für neue Versorger und erneuerbare Energien

Die Liberalisierung des Strommarktes in der EU vor 20 Jahren hat sich positiv auf die Vielfalt der Anbieter in Deutschland und vielen anderen EU-Mitgliedsstaaten zugunsten einer nachhaltigen Stromerzeugung ausgewirkt. Länder, die die Möglichkeiten der Liberalisierung nicht nutzen, bleiben dagegen bei der Erschließung der erneuerbaren Energieträger oft zurück. Zu diesem Ergebnis kommt die Renewable Energy Agency (AEE) nach der Bewertung von Eckdaten zur Strommarktentwicklung in der EU in den letzten zwei Jahren.

Deutschland hat mit dem am 28. Mai 1998 in Kraft tretenden "Gesetz zur Regelung des Energiewirtschaftsrechts" die gesetzlich vorgeschriebene Liberalisierung der Elektrizitätsmärkte in der EU umgesetzt. Seither können die Konsumenten ihren Stromlieferanten selbst bestimmen, und der Zugang für neue Stromlieferanten ist gesetzlich festgeschrieben. Inzwischen ist die Anzahl der Stromversorger auf über 450 gestiegen.

Ebenso lebhaft war die konjunkturelle Dynamik in anderen EU-Ländern wie Dänemark, den Niederlanden und Spanien, die über mehrere zehn eigenständige Stromversorger verfügten. Gleichzeitig ist der Marktanteil der regenerativen Energieträger in diesen Ländern im Vergleich zur EU überproportional gestiegen. Die Stromerzeugung aus regenerativen Energieträgern hat sich in Dänemark und den Niederlanden seit Ende der 90er Jahre verzehnfacht.

"Wegbereiter der Liberalisierung sind oft auch Wegbereiter beim Aufbau der erneuerbaren Energie. Denn die Aufhebung der alten Monopole für fossile Brennstoffe ebnete den Weg für neue, innovationsfreudige und umweltschonende Firmen und Produkte", erläutert Philipp Vohrer, Geschäftsführender Direktor der AEE. Dies beinhaltet das Recht, Elektrizität aus solchen Vorhaben zu lagern und über das Stromnetz zu veräußern.

"Das EU-Gesetzespaket eröffnet große Möglichkeiten für einen zeitgemäßen, dezentralisierten Markt mit regenerativen Energieträgern. Die Liberalisierung der Strommärkte darf kein Ziel an sich sein, sondern muss sich an den Belangen der Verbraucher und der Natur orientieren.

Mit dem in Brüssel ausgehandelten "Clean Energy Package" soll der Liberalisierungsprozess hin zu einem zunehmend integrierteren EU-Energiebinnenmarkt fortgesetzt werden. Insbesondere sollen der grenzübergreifende Handel mit Strom und der Ausbau der Netze verstärkt werden. Doch auch in Westeuropa - wie Großbritannien und Frankreich - haben nur wenige Unternehmen, die oft von der Kernenergie dominiert werden, noch eine gute Marktposition.

"Das stellt die Regulatoren vor neue Aufgaben, denn die Verlockung ist groß, angesichts der immer billiger gewordenen regenerativen Energiequellen mit milliardenschweren Subventionen die verkrusteten Anlagen wie die Atomindustrie am Laufen zu halten", sagt Vührer. Auch in Deutschland hat sich gezeigt, dass eine entscheidende Öffnung des Marktes keine Seltenheit ist. Mit der 1998 begonnenen Liberalisierung kamen weitere Reformschritte wie die Einrichtung der BNetzA als unabhängige Regulierungsbehörde oder die strenge Unternehmenstrennung von Netz und Stromerzeugung erst viel später in Gang.

Fachagentur für Regenerative Energie e.V.

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