Deutscher Energiemarkt

Energiemarkt Deutschland

Liberalisierung des deutschen Energiemarktes. Der deutsche Elektrizitätsmarkt befindet sich in einem enormen Aufruhr. Die Eon und RWE arbeiten an einer Reorganisation des Energiemarktes in Deutschland. Die Eon beabsichtigt, das Stromnetzgeschäft der RWE-Tochter Innogy zu uebernehmen. Die Energiegiganten geben mit ihren Vorhaben zu, dass sie nicht alles können.

Auf dem Energiemarkt steht eine spektakuläre Umorganisation an. Die größten Energieversorger Deutschlands Eon und RWE wollen ihr Kraftwerks-, Erneuerbare-Energien- und Stromnetzgeschäft vollständig umstrukturieren.

Die RWE-Tochter Innogy will sich zu einem Netzgiganten entwickeln, der 45 Mio. Verbraucher in Europa mit Elektrizität und Erdgas versorgt. RWE will sich im Gegenzug mit 16% am Unternehmen beteiligt und ist damit der größte Teilhaber. Die Energiegiganten geben mit ihren Vorhaben endlich zu, dass sie nicht mehr alles können.

Es wurden Kernkraftwerke, Gas- und Steinkohlekraftwerke in Betrieb genommen und der elektrische Energiebedarf in die Wohnungen gebracht. Deutschland hat bereits den Ausstieg aus der Kernenergie entschieden; die neue Bundesregierung will nun auch über einen Ausstieg aus der Kohle diskutieren. Deshalb mussten die beiden Unternehmen ihren Kraftwerkspark um mehrere Millionen Euro reduzieren - und kämpfen nun darum, mit regenerativen Energieträgern zu expandieren.

Jetzt wollen die Wettbewerber einen Split: RWE will Elektrizität produzieren, aber von den Stromnetzen trennen; Eon will Elektrizität und Erdgas zu den Abnehmern transportieren, dafür seine regenerativen Energieträger verkaufen und bald kein mehr haben. Bereits heute vertreibt das Unternehmen mit Sitz in Essen Elektrizität und Erdgas an 22 Mio. Abnehmer in Europa, unter anderem unter der Low-Cost-Marke Euro für Einfacher.

Durch Innogy will man nun weitere 23 Mio. Neukunden gewinnen. Das RWE-Tochterunternehmen agiert in der Region unter den Markennamen Envia M, Su edwag und West. "Für die Abnehmer habe ich keinen Nachteil", sagt Udo Sieverding, Energie-Experte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der Stromwettbewerb war hart, viele preissensible Verbraucher entschieden sich sowieso für billigere Lieferanten. Durch den Erwerb von Innogy wäre das Unternehmen der mit großem Vorsprung größte Verteilnetzbetreiber in Deutschland.

Es ist berechenbar und profitabel, da der Bund bestimmte Einnahmen sicherstellt. Nichtsdestotrotz erkennt Eon Möglichkeiten in diesem Bereich. Zahlreiche Abnehmer wandeln sich vom einfachen Konsumenten zum Kleinproduzenten, zum Beispiel durch den Einsatz von Photovoltaik. Wenn die Elektro-Mobilität weiter an Boden gewinnt, benötigen viele Anwender eine Ladestation. Aber auch aus Bundessicht ist offen, ob die Wettbewerbsbehörden einer InnogyÜbernahme zustimmen würden.

Zum Beispiel hängt es davon ab, ob die deutschen oder europäischen Stellen dafür verantwortlich sind. Das Unternehmen hätte wahrscheinlich bessere Möglichkeiten, wenn die EU-Kommission es im Hinblick auf eine europaweite Vermarktung untersuchte. Die Gruppe hat im Frühjahr 2016 ihr Geschäftsfeld Erneuerbare Energie und Netze als eigenständiges Tochterunternehmen Innogy gelistet.

Seither hat sich RWE auf den Braunkohlentagebau, den Stromhandel und seine Kernkraftwerke in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden spezialisiert. Jetzt will das Unternehmen mit Sitz in Essen die 76-prozentige Beteiligung an Innogy an die Firma veräußern. Als Gegenleistung will RWE jedoch die Windkraftanlagen, Solar- und Wasserkraftanlagen von Ion und Innogy erwerben.

RWE würde damit seine Stellung als Stromproduzent in Europa ausweiten. Mit den Plänen würde allerdings die Firma mit ihren 41.000 Mitarbeitern vernichtet. Die Marktkapitalisierung von Innogy brach dadurch um 15 Prozentpunkte ein. Als in der Bundesregierung die französischen und italienischen Unternehmen ihr lnteresse an lnnogy bekundeten, war die Furcht vor einem Verkauf der Energiewirtschaft in Deutschland in jüngster Zeit gestiegen.

Die Innogy wird ihre Termine jedoch am kommenden Montagmorgen bekannt geben.

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