Ja zur Biomasse, aber nicht auf Kosten von Biodiversität und Klimaschutz

Umweltbundesamt legt langfristige Strategie für den nachhaltigen Einsatz von Biomasse vor

Dessau-Roßlau, 04.11.2010, Das UBA-Forschungsprojekt Bio-global zeigt eine langfristige Strategie auf, mit der die Produktion und energetische Nutzung von Biomassen umweltverträglich und nachhaltig erfolgen kann. "Die Nutzung von Bioenergie ist nur dann sinnvoll, wenn deutlich weniger Treibhausgase entstehen als bei fossilen Energieträgern und wenn keine Nachteile für die Umwelt auftreten." sagt Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes. Das UBA befürwortet daher die Bindung des Einsatzes von Biomassen an Nachhaltigkeitskriterien. Dazu zählt vor allem die so genannte Mehrfachnutzung von Biomassen.

Ab 2011 müssen Energieerzeuger beim Einsatz von Biomasse einen verbindlichen Nachweis für die Nachhaltigkeit pflanzlicher Nachwachsender Rohstoffe erbringen und sich diesen zertifizieren lassen. Für Biokraftstoffe und flüssige Bioenergieträger hat die EU diese Nachhaltigkeitskriterien mit der Erneuerbaren Energien-Richtlinie 2009 für den Klima- und Biodiversitätsschutz festgelegt. Das Forschungsprojekt Bio-global trägt zur Ausgestaltung und zur nationalen Umsetzung der Richtlinie bei.

Mehrfachnutzung von Biomassen
Biomasse wird heute vorwiegend direkt zu Strom, Wärme und Kraftstoff umgewandelt. Biomasse ist aber eine knappe Ressource, daher sollten Nachwachsende Rohstoffe wie z.B. Holz oder Pflanzenöle zunächst stofflich - also zur Herstellung von Produkten - genutzt werden. Anstelle des heute vorherrschenden Anbaus von Biomasse zur direkten Umwandlung in Bioenergie sollte daher künftig die Nutzungskaskade etabliert werden.
Das bedeutet: Erst nach einer Mehrfachnutzung werden die Abfall- und Reststoffe für die Energiegewinnung eingesetzt. So sollte z. B. Holz zuerst stofflich in Form von Möbeln oder Bauholz verarbeitet werden, dann im Sinne der Nutzungskaskade als Ausgangsmaterial für die Holzwerkstoffindustrie Verwendung finden und erst danach energetisch genutzt werden.

Nachhaltigkeitsstandards weltweit verankern
Langfristig sollen Nachwachsende Rohstoffe vorrangig auf Flächen angebaut werden, die sich für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion nicht oder nur eingeschränkt eignen. Auf degradierten Flächen kann mit dem Biomasseanbau viel Kohlenstoff gebunden werden. Der Anbau von Energiepflanzen darf nicht negativ auf die Biodiversität wirken und keine indirekten Landnutzungsänderungen auslösen. "Aus Umweltschutzgründen ist es wichtig, dass der Anbau von Energiepflanzen in extensiver Form geschieht und ohne negative Wirkungen auf Böden und den Wasserhaushalt." sagt Jochen Flasbarth.

Ein weiterer strategischer Ansatz ist, verbindliche projektbezogene Nachhaltigkeitsstandards für internationale und bilaterale Finanzierungsinstitute zu entwickeln. Speziell geht es um Standards für Boden, Wasser, Biodiversität und soziale Bedingungen Solche projektbezogenen Standards sind unberührt von WTO-Regelungen und können auch lokale Umwelt- sowie soziale Fragen umfassen.

Langfristig müssen Nachhaltigkeitsanforderungen für alle Biomassen etabliert werden. Das UBA setzt sich dafür mit weiteren Forschungsprojekten ein.

Die ersten Ergebnisse und Erfahrungen mit der Bioenergiezertifizierung bieten eine Chance, Nachhaltigkeitsanforderungen für alle Biomassen auf globaler Ebene zu entwickeln und für alle gehandelten Agrarrohstoffe zu verankern. Bislang ist die Global Bioenergy Partnership (GBEP), eine G8-Initiative, die einzige Institution, die Nachhaltigkeitsstandards für Bioenergie international abstimmt. Darum ist es nötig, auch in andere bestehende globale Konventionen wie z.B. den clean development mechanism (CDM) des Kyoto-Protokolls zur UN-Klimarahmenkonvention sowie in die Diskussion um REDD (reduced emissions from deforestation and forest degradation) Nachhaltigkeitskriterien für die Biomasse zu verankern.

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